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"AN ERSTER STELLE STEHT DIE EIGENE ZUKUNFT"

Dr. Lothar Jordan ist Schulvorstand und Gründer des Bildungsunternehmens Jordan in Fulda. Auf der Pro-Seite erklärt er, warum für ihn „Fridays for Future“ für die Zukunft der Schüler wichtig ist.

Immer mehr Schüler gehen freitags während der Unterrichtszeit auf die Straße, um gegen die Auswirkungen des Klimawandels zu protestieren. Und das mittlerweile weltweit. Ist das richtig? Darf das überhaupt sein? Die Jugendlichen gehören doch in die Schule und nicht auf die Straße! Die Demonstrationen spalten sichtbar unsere Gesellschaft, denn einfach ist die Beantwortung dieser Fragen nicht. Das Thema polarisiert, und die Komplexität macht es anscheinend nicht leicht, sich auf eine eindeutige, folgerichtig nachprüfbare Meinung festzulegen. Denn wie es in der Wirtschaft die Arbeitspflicht für einen Arbeitnehmer gibt, besteht für Schüler die Schulpflicht, die durch Gesetze geregelt ist (z.B. HSchG – Hessisches Schulgesetz § 56). Wohlwissend, dass die Schulpflicht ab dem 6. Lebensjahr beginnt und sich auf neun Jahre beschränkt und daher als stichhaltiges Argument gegen die Schüleraktionen nicht wirklich greift, wird die Argumentationskette der Gegner der Bewegung folglich erweitert.

„Schüler haben kein Streikrecht“; „Wer arbeitet und mit seinen Steuern das teure Bildungsangebot in Deutschland finanziert, hat ein Recht darauf, dass es ernst genommen wird“; „Die Jugend blickt bei diesem Thema nicht durch, das ist was für Profis“ und „ Schüler sollen lieber in die Schule gehen“ – um nur eine kleine Auswahl der Demonstrationsgegner von Politikern und Journalisten zu zitieren. Wenn ich tatsächlich nur zwischen 0 und 1, also richtig oder falsch, entscheiden soll, so ordne ich die Schülerproteste für mich – nicht unentschlossen, aber ein wenig diplomatisch – als „nicht falsch“ ein.

Warum? Der Grundkonflikt im Abwägen von zwei wichtigen Normen besteht darin, zu beurteilen, was ist wichtiger – die  Ausübung der freien Meinungsäußerung nach dem Grundgesetz als Grundstruktur der Demokratie oder das Einhalten von Paragraphen und Verordnungen zur Schulpflicht und zum regelmäßigen Unterrichtsbesuch ohne Wenn und Aber? Wir merken sehr schnell, dass es sich weniger um ein juristisches Problem handelt, denn die Sachlage ist äußerst diffizil und fakultätsübergreifend. Die Argumentation contra gleicht fast immer einer Sehnsucht nach Regulierung per Gesetz – warum? Es ist am Einfachsten.

Fragen wir auch nach den Gründen und nicht nur nach der Legitimation. An erster Stelle steht die Frage nach der eigenen Zukunft. Wohin geht die Reise? Und wenn man durch große Selbstreflektion merkt, es geht um einen selbst, dann sind die Kräfte des Widerstandes schnell gebündelt. Meines Erachtens ist gerade die Sorge um den Weiterbestand der Erde, also unserer Zivilisation, sehr gut geeignet, individuelle Anliegen und Ängste unserer Jugend zu begreifen. Wen trifft der Klimawandel voll? Natürlich die, die nach uns kommen. Und die kommende Generation soll sich reflektionslos auf den Sachverstand der Politiker verlassen, die allein vom System her die falschen Determinierer der Zukunft sind? Politiker als Entscheider haben es immer mehr mit langfristigen Auswirkungen ihrer Entscheidung zu tun, aber nur bei einer kurz-, wenn alles klappt, mittelfristigen Jobausübung ohne spätere Regressmöglichkeit.

Daher auch das Recht derer auf die Straße zu gehen, die die Folgen tragen werden. Die Bewegung „Fridays for Future“ ist ein gelebter Ausdruck für begründetes Engagement für unsere Gesellschaft. Wir alle sollten froh sein, ja sogar stolz, dass sich unsere Jugend mit elementaren Zukunftsfragen beschäftigt. Auch wenn Mathestunden ausfallen.